“Du kannst alles schaffen, wenn Du nur willst!

„Du kannst alles schaffen, wenn Du nur willst!“

Es tut mir wahnsinnig leid, das sagen zu müssen, aber: Der Satz ist blöd!
In meiner Arbeit sehe ich so oft junge Menschen, die mit diesem Satz groß geworden sind. Sie haben fleißig in der Schule gelernt und einen guten Abschluss gemacht. Sie geben im Job alles, um voranzukommen. Sie machen viel Sport, ernähren sich gesund, leben in guten Partnerschaften, haben viele Freunde, eine schöne Wohnung, bekommen Anerkennung und wenn mal irgendwas nicht aufs erste Mal funktioniert, geben sie sich einfach noch mehr Mühe und es läuft.

Und plötzlich klappt das mit der Schwangerschaft nicht…

Die „natürlichste Sache der Welt“ stellt sich als die größte Herausforderung im bisherigen Leben dar. Wie um alles in der Welt konnte das denn passieren?

Das Leben läuft weiter, man wird befördert, feiert Geburtstage, macht wunderbare Urlaube, trifft sich mit Freunden und doch ist es plötzlich, als läge ein Schleier über allem, der einen abschirmt und in manchen Momenten einsam macht. Dabei hat sich doch eigentlich gar nichts geändert. Wir waren vorher nicht schwanger und sind es jetzt auch nicht. Trotzdem macht es was mit uns, wenn diese Tatsache von einem unerfüllten, sehr existenziellen Wunsch begleitet wird.

Wir fangen an, die Umgebung anders wahr zu nehmen.

Schaut uns jemand auf den Bauch, unterstellen wir sofort, diese Person checkt uns nach einer vorhandenen Schwangerschaft ab. Dabei haben wir vielleicht heute nur was Schönes an, das der Person gefällt?

Auf die Frage „Und, was gibt´s bei Dir Neues?“ einer lange nicht gesehenen Bekannten überlegen wir hektisch, was vom Kinderwunsch wir jetzt erzählen sollen oder auch nicht. Wir kommen gar nicht auf die Idee, einfach einen Schwank aus der Arbeit oder vom Wellness-Wochenende zu erzählen, was völlig ausreichend wäre.

Wenn die eigenen Eltern mit ihren bereits vorhandenen Enkelkindern spielen, bekommen wir ein ungutes Gefühl, ihnen dieses Geschenk nicht auch machen zu können. Auch wenn sie vielleicht gar nicht danach verlangen?!

Wie kann es wieder leichter werden?

Indem wir die Aussage „Du kannst alles schaffen, wenn Du nur willst!“ in zwei Fragen zerteilen.

  1. Was will ich eigentlich?
    Schwanger werden, eine neue Stelle im Unternehmen, einen schönen Urlaub.
  2. Was muss ich tun, um diese Wünsche zu realisieren?
    Termin in KiWu-Klinik / bei Gyn vereinbaren,
    2. Urlaub buchen (*)
    3. Bewerbung schreiben (**)

    (*) vergiss nicht, eine Reiserücktrittsversicherung abzuschließen, die Schwangerschaften abdeckt! Ja, das gibt es und Du darfst die Vorfreude auf den Urlaub ohne „Ja, aber was ist, wenn…“ genießen. Denn solltest Du vor dem Urlaub tatsächlich schwanger werden und ggf. nicht fahren können, dann hast Du ja trotzdem bekommen, was Du wolltest. Richtig?!

    (**) „Aaaaber was ist, wenn…“ Ja, ja, ich weiß. Aber ich sage Dir mal was:
    Wenn Kolleg:innen sauer sind, dass Du frisch auf der neuen Stelle schwanger bist, sind es eh nicht die Kolleg:innen, mit denen Du langfristig arbeiten wolltest.
    Wenn Du die neue Stelle bekommst UND schwanger wirst: Gratulation!
    Wenn Du die neue Stelle bekommst und nicht schwanger wirst: Glückwunsch zum Job!
    Wenn Du Dich nicht bewirbst und nicht schwanger wirst…. Kein schönes Gefühl, hm?!

Machen wir nicht alles unnötig kompliziert.

Es wird nicht immer alles im Leben so rausgehen, wie wir uns das mit 15 oder 20 vorgestellt haben. Manchmal kommen viele blöde Dinge gleichzeitig auf uns zu. Manchmal summieren sich aber auch die tollsten Sachen und es fühlt sich an wie ein nicht enden wollendes Fest. Beides gibt es und wir wissen nie genau, wann was zutrifft in der Zukunft.

Geh Deine Pläne an, sei mutig und spring von Zeit zu Zeit auch mal ins kalte Wasser. Du wirst sehen, es ergeben sich oft die tollsten Dinge!

Wie sagte schon…

Martin Seligmann (*1942), Professor an der PENN University in Philadelphia und Direktor des Positive Psychology Centers?

„Wer nie scheitert, entwickelt sich nicht und kann auch nicht glücklich werden, denn ihm fehlt die Erfahrung der eigenen Stärke.“

Ich bin voll bei ihm.

Alles Liebe,

Eure Stefanie

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